Schupfnudeln




Beschreibung

Das „Schwäbische Handwörterbuch“ beschreibt Schupfnudeln als „mit der Hand gerollte Nudeln in Fingergröße“. Das Besondere an den Nudeln ist die Herstellung aus „halb und halb“ Mehl und Kartoffeln (d.h. ein Teil Mehl und ein Teil Kartoffeln).


Herkunftsgeschichte

Im schwäbisch-alemannischen Raum gehen Mehl und Kartoffeln eine ungewöhnliche Allianz ein. Der Grund ist in der Sparsamkeit der Schwaben zu suchen. Wenn das Mehl nicht reichte, streckte man es mit preiswerteren Kartoffeln. So entstanden köstliche Kartoffel-Mehl-Kreationen. Diese Beilagen aus dem deutschen Südwesten sind für Feinschmecker nicht einfach Nudeln & Co, sondern der schmackhafte Beweis für höhere Küchenweihen.


Wissenswertes

Ihren Namen hat die Schupfnudel von der typischen Bewegung, die bei der Herstellung angewandt wird. „Schupfen“ bedeutet soviel wie „wegstoßen“ oder „wegrollen“ mit der gewölbten Hand, wodurch die unverwechselbare Form entsteht. Auf die gleiche Weise entstand auch der Name „Wargelnudeln“.

Die Bezeichnung „Bauchstecherle“ sollen die Schupfnudeln niemand Geringerem als dem Maler Carl Spitzweg zu verdanken haben. Spitzweg, der eine Vorliebe für das Gericht hatte, klebte angeblich in das Kochbuch neben sein geliebtes Rezept ein Bild: zwei fechtende Eheleute, von denen einer dem anderen mit dem Degen einen Stich in den Bauch versetzt.

Der Name „Buabaspitzle“ bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung, da sich jeder – mit etwas Fantasie – vorstellen kann, welches Körperteil das „Buabaspitzle“ beschreibt. Der Name „Bauraseckele“ bezieht sich auf das gleiche Körperteil bei Bauern.

Region

Bodensee-Oberschwaben, Südlicher Oberrhein, Stuttgart, Schwarzwald-Baar-Heuberg, Ostwürttemberg, Nordschwarzwald, Neckar-Alb, Mittlerer Oberrhein, Hochrhein-Bodensee, Franken, Donau-Iller, Unterer Neckar

Saison

Schupfnudeln werden das ganze Jahr über gegessen.



Zubereitung

Zutaten:

  • 500 g gekochte Schalenkartoffeln vom Vortag
  • 500 g Mehl
  • 1 Ei
  • 4- 5 EL Mehl
  • Prise Salz, Muskat
  • 2 l Wasser
  • 1 EL Salz

Die Kartoffeln durch die Kartoffelpresse drücken. Mit dem Mehl, dem Ei, etwas Muskat und einer Prise Salz zu einem festen Teig kneten. Auf dem bemehlten Backbrett zu fingerlangen und fingerdicken Würstchen formen, „schupfen“. In kochendes Salzwasser geben und nach dem Aufschwimmen mit dem Schaumlöffel herausheben, abtropfen lassen und auf dem Backbrett zum Trocknen auslegen.

(Quelle: Frank Gerhard: Kulinarische Streifzüge durch Schwaben, 1979 Sigloch Edition, ISBN 3800301318, Seite 160)

Manchmal werden die Schupfnudeln nicht zuerst gekocht und dann gebraten, sondern direkt frittiert.

Besonders reizvoll und beliebt ist die Zubereitung der Schupfnudeln in der Pfanne mit Sauerkraut:

  • Schupfnudeln
  • 100 g Fett
  • 2 Zwiebeln
  • 500 g rohes Sauerkraut

Zwiebeln fein schneiden, in heißem Fett goldgelb rösten, Sauerkraut hinzugeben und heiß dämpfen. Dann die Schupfnudeln beimengen und alles unter häufigerem Wenden hellbraun backen.

(Quelle: siehe Zutaten und Herstellung)

 



Weitere Informationen

Verzehr:

In der kalten Jahreszeit werden Schupfnudeln bevorzugt mit Sauerkraut oder mit Braten und „Sößle“ zubereitet. Im Sommer ist auch die süße Variante sehr beliebt. Die Schupfnudeln werden dann – mit Zimtzucker bestreut – als Beilage zu Kompott bzw. Apfelmus oder Vanille-Eis gereicht.

Verbreitung:

Schupfnudeln sind in ganz Baden-Württemberg eine beliebte Spezialität.

Literatur:

Das schwäbische Kochbuch
Ursula Grüninger
J.F. Steinkopf, Kiel, 1995
ISBN: 3798405034

Schwäbische Küche. Alte und neue Rezepte aus Baden-Württemberg
Rouß Verlag, 2000
ISBN: 3924292248


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