Schwarzwälder Kirschwasser




Beschreibung

Das Schwarzwälder Kirschwasser ist ein fruchtiger Obstbrand mit zartem Bittermandelton. Unter den heimischen Obstbränden ist er der berühmteste; sein Alkoholgehalt beträgt mindestens 45 % Vol.


Herkunftsgeschichte

Der Vorgänger des bekanntesten deutschen Obstbrandes ist der sogenannte „Brentz“. Dabei handelt es sich um ein Kirschwasser (auch „Chriesewässerle“ genannt), das der sparsame Bauer in altvorderen Zeiten nur zu ganz besonderen Anlässen auftischte. Den Brentz stellte man aus den seltenen, wilden Waldkirschen her; heute wird er kaum noch gebrannt. Die rund 14.000 Brennereien im Schwarzwald verwenden zum Herstellen des hochprozentigen Wässerchens ertragreichere Kirschsorten.


Wissenswertes

Kirschwasser zählt zu den Bränden, weil es aus vergorener Obstmaische ohne zusätzlichen Zusatz von Zucker destilliert wird.
Kein anderer Obstbrand verfügt über so vielfältige geschmackliche Nuancen wie das Schwarzwälder Kirschwasser.

Zum Brennen von 1 l Kirschwasser benötigt man 10 l im Schwarzwald gewachsener Kirschen. Wenn der Schwarzwald als Hochburg des Hochprozentigen gilt, dann ist die Stadt Oberkirch im Renchtal deren Zentrum – mit sage und schreibe rund 900 Brennrechten. Diese rekordverdächtige Anzahl kommt nicht von ungefähr: 1726 erließ der Bischof von Straßburg ein Dekret für die Einwohner von Oberkirch mit dem Ziel, den Bauern durch das Erzeugen von Destillaten eine Nebenerwerbsquelle zu sichern. Darüber hinaus füllten die zusätzlichen Steuereinnahmen das Säckel des Bistums kräftig auf.

Noch heute wacht der Zoll mit Argusaugen über die Oberkirchner Brennereien und die daraus resultierenden Einnahmen. Während der Zeit, in der üblicherweise nicht gebrannt wird, sind die Kessel verplombt. So will man unbemerkte Schwarzbrennerei verhindern.

Das Brennrecht der Hausbrennereien ist erblich. Es erlischt erst, wenn über einen Zeitraum von 10 Jahren nicht gebrannt wurde.

Früher verwendete man Schwarzwälder Kirschwasser, um Gebäcke „luftig“ zu machen.

Region

Nordschwarzwald, Schwarzwald-Baar-Heuberg

Saison

Das traditionsreiche Schwarzwälder Kirschwasser gibt es das ganze Jahr über.



Zubereitung

Zutaten und Herstellung:

Schwarzwälder Kirschwasser wird aus schwarzen Schnapskirschen destilliert. Je länger die Kirschen am Baum hängen desto aromatischer und süßer sind sie bei der Ernte – das kommt natürlich dem Gehalt des Kirschwassers zugute. Auch der Boden und die Höhenlage spielen eine entscheidende Rolle für die Qualität der Kirschen. So entwickeln Gebirgskirschen einen intensiveren Geschmack als die schneller wachsenden Sorten in den Ebenen.

Gleich nach der Ernte kommen die Kirschen ins Maischefass, wo sie längstens vier Wochen gären. Der Bittermandelton entwickelt sich im Laufe des Gärprozesses aus einem geringfügigen Anteil zerstoßener Kirschkerne. Genießer trinken Schwarzwälder Kirsch frühestens nach einer Reifezeit von zwei Jahren.



Weitere Informationen

Verzehr:

Als Aperitif nach reichhaltigen Speisen ist Schwarzwälder Kirschwasser besonders beliebt. Auch in zahlreichen Rezepten findet sich das aromatische Tröpfchen wieder, etwa in der Schwarzwälder Kirschtorte oder auch in deftigen Käsefondues.

Verbreitung:

Weitere Herkunftsgebiete von edlen Kirschwässern sind das Markgräflerland, der Kaiserstuhl und der Oberrhein: In dem milden Klima gedeihen die Kirschbäume besonders gut. Schwarzwälder Kirschwasser ist nach wie vor nicht nur regional etwas ganz Besonderes.

Kontakt:

Schnapskurse und Verkostungen finden in der sogenannten Schnapsakademie in Oberkirch statt. Infos unter:

Touristinformation Oberkirch
Bahnhofstraße 16
77704 Oberkirch
Tel.: 0 78 02 / 82-600
Fax.: 0 78 02 / 82-619
www.oberkirch.de

Verband Badischer Klein- und Obstbrenner e. V.
Dreikönigsweg 6
77728 Oppenau

Literatur:

Schwarzwälder Kirschwasser
Hans Roschach
Schwarzwald-Verlag, Offenb. (2000)
ISBN Nr. 3-922-663-605

Kirschwasser, Himbeergeist, Williams & Co.
Econ Tb Verlag, München (1994)
ISBN 3-612-240-269

 


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