Unterländer Kirsche




Beschreibung

Die ‚Unterländer Kirsche‘ ist eine Süßkirsche aus der Gruppe der Knorpelkirschen. Sie ist sehr dunkel, fast schwarz, hat festes Fleisch und ein intensives, süß-pikantes Aroma.


Herkunftsgeschichte

Ausgrabungen bei den Pfahlbauten am Bodensee haben gezeigt, dass Kirschen bereits 4000 bis 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung als Nahrungsmittel dienten.
Die Unterländer Kirsche ist ursprünglich ein Sämling aus dem Anbaugebiet Esslingen. Ihren Namen erhielt die ‚Unterländer Kirsche‘ vermutlich von ihrer Herkunftsregion, dem Württemberger Unterland. Dieses erstreckt sich von Ludwigsburg neckarabwärts nach Heilbronn, nach Westen bis Gundelsheim, nach Osten bis hinter Löwenstein und im Südosten bis in die Esslinger Gegend.


Wissenswertes

Die ‚Unterländer Kirsche‘ ist nach wie vor am weitesten im Unterland verbreitet. Darüber hinaus wird sie vor allem als „Liebhabersorte“ vertrieben. Dabei hat sie hervorragende Fruchteigenschaften:
Die ‚Unterländer Kirsche‘ kommt als eine der ersten Knorpelkirschen auf den Markt, zu einer Zeit, in der wenig großfrüchtige Sorten im Angebot sind.
Sie hat eine hervorragende Fruchtqualität, ist äußerst transportfest und behält ihren starken Glanz mehrere Tage lang bei.

Regenperioden verkraftet sie deutlich besser als andere frühe Kirschsorten.
Sie bringt regelmäßig reiche Ernte und kommt früh in den Ertrag. Sie eignet sich auch für den Anbau in höheren Lagen.
Kirschen sind gesund! Mit ihrer ausgewogenen Menge an Inhaltsstoffen versorgen sie unseren Organismus mit allem, was er braucht. In überdurchschnittlicher Menge enthält die Kirsche den Mineralstoff Kalium und das Spurenelement Zink.

Ihre rote Farbe bekommen Kirschen von den so genannten Anthozyanen; das sind rote Pflanzenfarbstoffe, denen eine heilsame Wirkung nachgesagt wird. Sie kräftigen das Bindegewebe und schützen Haut und Gewebe vor zellschädigenden freien Radikalen. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und beugen Parodontose vor. Je dunkler und intensiver die Kirsche gefärbt ist, desto mehr gesundheitsfördernde Anthozyane enthält sie. Die fast schwarze Unterländer Kirsche gehört damit zu den Spitzenreitern!
Die Produktion von Süß- und Sauerkirschen beträgt durchschnittlich 78.000 t, damit gehört Deutschland zu den größten Kirschproduzenten in Europa. Die wichtigsten Anbaugebiete in Deutschland befinden sich in Baden-Württemberg: führend ist die Region Südlicher Oberrhein. Sie hat einen Anteil von 38,6 % an der baden-württembergischen Kirschernte hat, gefolgt von der Region Stuttgart, der Heimat der Unterländer Kirsche, mit 19,6 % Landesanteil.

Kirschbäume verwandeln im Frühling weite Teile Baden-Württembergs in eine duftende Blütenlandschaft. Charakteristisch für das Landschaftsbild ist ein lockerer Bestand auf Streuobstwiesen. Streuobstwiesen sind wahre Paradiese für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten; sie zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Kirschbäume sind auf baden-württembergischen Streuobstwiesen die vierthäufigsten Bäume, nach Äpfeln, Birnen und Zwetschgen. In manchen Regionen dominieren sie sogar.

Schon unsere Großmütter verwendeten mit Kirschkernen gefüllte Säckchen als Bettwärmer. Neuerdings erfreuen sie sich wieder zunehmender Beliebtheit, sind sie doch eine „kleckerfreie“, unkompliziert wieder verwendbare Alternative zu Wärmflasche und Heizkissen. Kirschkernsäckchen sind natürlich, sie geben die Wärme schonend und gleichmäßig ab.

Region

Bodensee-Oberschwaben, Südlicher Oberrhein, Stuttgart, Schwarzwald-Baar-Heuberg, Ostwürttemberg, Nordschwarzwald, Neckar-Alb, Mittlerer Oberrhein, Hochrhein-Bodensee, Franken, Donau-Iller, Unterer Neckar

Saison

Erntebeginn für Süßkirschen ist üblicherweise Mitte Juni, mit regionalen und wetterbedingten Schwankungen. Die ‚Unterländer Kirsche‘ kommt in der vierten bis fünften Kirschwoche zur Reife, das heißt Mitte bis Ende Juli. Damit gehört sie zu den mittelspäten Sorten.



Zubereitung

Verzehr

Süßkirschen schmecken am besten frisch vom Baum! Man kann sie aber auch zu Kompott kochen. Für Marmelade eignen sie sich nicht so gut, weil sie weniger Pektin haben als Sauerkirschen. Wer Süßkirschmarmelade kochen will, sollte Zitronensaft oder zusätzliches Pektin zugeben.

Badischer „Kerscheplotzer“

  • 150 g Butter oder Margarine
  • 180 g Zucker
  • 5-6 Eier
  • 180 g geröstetes, geriebenes Schwarzbrot
  • 150 g geriebene Mandeln, Hasel- oder Walnüsse
  • 1/16 l Wein
  • 3 EL Kirschwasser
  • 1 Messerspitze Zimt
  • 1 1/4 kg feste, schwarze Kirschen

Unter die schaumig gerührte Butter gibt man Zucker und Eigelb, rührt dies nochmals schaumig und mengt Mandeln, Gewürze, das mit Wein und Kirschwasser angefeuchtete Schwarzbrot und die Kirschen mit dem steifen Eierschnee darunter. Man füllt die Masse in eine gestrichene Tortenform von 26 cm Durchmesser und bäckt sie in mittlerer Hitze 1 Std.

Quelle: Wundt, Rothmund, Künzler: Kochbuch der Koch- und Haushaltungsschule.



Weitere Informationen

Verbreitung

Die „Mutter“ aller ‚Unterländer‘ Kirschbäume kommt aus dem Raum Esslingen. Ursprünglich wurde die ‚Unterländer Kirsche‘ hauptsächlich im Schurwald angebaut, der sich nördlich von Esslingen und Göppingen in Ost-West-Richtung erstreckt. Sie breitete sich bis zum 20. Jahrhundert in ganz Württemberg aus. Seit den 1960er Jahren ist sie auch am Oberrhein verbreitet.

Kontakt

Informationen und Hilfestellungen zu gartenbaulichen Fragen aller Art bietet die Fachberatung für Obstbau, Gartenbau und Landespflege der Landratsämter der Kreise an. Die Fördergemeinschaft Unterländer Streuobstwiesen ist eine Vermarktungsinitiative, die den Streuobstanbau wieder attraktiver machen und damit die Pflege und den Erhalt der Streuobstbestände sichern will:

Fördergemeinschaft Unterländer Streuobstwiesen
Kübelstr. 28
74076 Heilbronn
Tel.: 07131 / 16 72 82

Literatur

Robert Silbereisen u.a.
Obstsorten-Atlas. Kernobst, Steinobst, Beerenobst, Steinobst,
Ulmer Verlag, Stuttgart, 1996
ISBN: 3800155370
Preis: 99 €

Georg Richter
Kulinarische Streifzüge durch Baden. Sigloch Edition, 2000
ISBN: 3893930612
Preis: 9,80 €


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